Von falschen Vorbildern (bzw. Vorturnern).

Der moderne Abnehmer und Fitwerder nutzt Apps. Nur zeigen die halt meistens Menschen, die das Problem wahrscheinlich gar nicht kennen. Weil sie Sport zum Aufstehen machen, drei bis vier Mal bis zum Mittagessen und dann eine 3stündige Nachmittagssession vollführen, nur um am Abend noch mal eben ’ne Stunde zu rudern. Ein Beitrag, warum – meiner Meinung nach natürlich – runtastic und Freeletics ganz bewusst Menschen, mit derselben Ausgangslage wie ich, für ihre Fitwerd-Apps einsetzen sollten.

Im Jänner habe ich in der Hoffnung, wieder neue Motivation zu fassen, Runtastic Results installiert. „Die Results App punktet mit einem persönlichen Trainingsplan, der in 12 Wochen jeden Körper fit macht.“ Klingt natürlich für einen Menschen wie mich sehr vielversprechend. Zwölf Wochen ist eine überschaubare Zeit und „fit werden“ das ewige Ziel, dem ich hinterhechle. Im ersten Monat dieses Jahres habe ich es auch regelmäßig gemacht, hab die wöchentlichen Workouts hinter mich gebracht und ganz ehrlich: Ich fühlte mich auch schon fitter. Aber etwas stört mich eben doch an der App.

Wie das Video bereits zeigt, turnen da wohlgeformte Männer mit Eight-Packs (keine Ahnung, wie man da zählen muss, bisher reicht es für mich, bis Eins zählen zu können). Sie zeigen selbst die für mich anstrengendsten Übungen mit so viel Eleganz, Anspannung und eine einen einzigen Tropfen Schweiß zu verlieren. Wenn ich es dann nachturne, und mir der Schweiß einerseits in die Augen geronnen ist, andererseits meine Turnmatte zu einer Rutschpartie gemacht hat, fühle ich mich manchmal nicht so gut aufgehoben. ich verstehe schon, vielleicht ist Results eine App, um sportliche Menschen, die über Weihnachten etwas unsportlich geworden sind, wieder zurückholen in die heile Welt der sichtbaren Bauchmuskeln. Aber für den durchschnittlichen Übergewichtigen ist diese Präpotenz, mit der der Vorturner alles nur so vorturnt, schon etwas unangenehm.

Ich mag es ja, wie runtastic Results mich fordert. Es ist eine coole App, weil man dafür keine Geräte braucht (aber eine Turnmatte echt von Vorteil ist) und eigentlich keine Ausrede mehr hat, wenn das Wetter draußen richtig grauslich ist (so wie jetzt). Aber vielleicht sollten sie über „runtastic Results für dicke Menschen“ nachdenken. Ich habe mir es natürlich nicht nehmen lassen und mal bei runtastic selbst nachgefragt. Ich habe ganz kurz mein „Problem erklärt“, meinen Wunsch geäußert („Mir wäre fast lieber, ich hätte Menschen mit dem gleichen Schicksal (Übergewicht), die mich mit ihrem Durchhaltevermögen anspornen“) und danach auch noch versichert, dass meine Anfrage ernst gemeint sei und ich eine Antwort von ihnen verblogge. Und genau das hat sie wahrscheinlich abgeschreckt. Ihre Antwort:

„Wir nehmen dein Feedback sehr gerne an, können dir aber hier keine verbindlichen Statements über unsere Strategie geben.“

Was ja auch klar ist.

Aber falls so etwas kommen sollte, möchte ich bitte ein Jahr gratis workouten, liebes runtastic, okay?

(Und ja: Freeletics ist ähnlich, runtastic Results eigentlich die Kopie. Ich habe beides bereits probiert, bin aber bei Results hängen geblieben. Und einen Kontaktbutton auf der Freeletics-Facebookseite gabs leider auch nicht.)

 

Ein Kommentar zu „Von falschen Vorbildern (bzw. Vorturnern).

  1. Gebe dir völlig Recht! Auch auf diversen Fitness- oder Tanz-Videos sind immer nur sportliche und schlanke Menschen zu sehen. Mir imponiert zur Zeit z.B. Georgij Makazaria, der mit 130 kg bei Dancing-Stars eine sehr gute Figur macht und zeigt, dass man auch mit Übergewicht sehr beweglich sein kann. Solche Menschen wären ein viel besseres Vorbild als die ganzen Modells und Muskelprotze.

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